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Der Börsen-Dino beobachtet die internationalen Finanzmärkte und kommentiert im „Zwischenruf“ börsenrelevante News, aktuelle Themen und Trends. Zudem informiert er über die kommenden Veranstaltungen von Passion & Money.


Das monatlich ermittelte Konsumklima in Deutschland gehört für die Börsianer nicht zu den mit Spannung erwarteten Nachrichten. Es fehlt die unmittelbare Kursrelevanz. Schade, denn es gibt natürlich einen Zusammenhang zwischen Geld ausgeben und Geld anlegen. Deshalb wiederhole ich von Zeit zu Zeit meinen Appell, das eine oder andere nicht total zu vernachlässigen – damit schadet man sich selbst und der ganzen Volkswirtschaft. Die neuen Zahlen können in der Tendenz nicht überraschen, in der Größe sind sie aber erschreckend.


Die Pandemie und die damit einhergehenden Maßnahmen zur Eindämmung des Virus haben die Verbraucherstimmung im April schwer getroffen. Laut GfK befinden sich Einkommenserwartung und Anschaffungsneigung im freien Fall. Ein Wert von -23,4 Punkten ist bislang beispiellos in der Historie des Konsumklimas. Dazu eine Warnung der Nürnberger Stimmungsforscher: „Da sich nun abzeichnet, dass die Lockerungen der Maßnahmen zur Eindämmung von Covid-19 aus Vorsichtsgründen nur sehr langsam vor sich gehen werden, dürften auch dem Konsumklima in den nächsten Monaten schwierige Zeiten bevorstehen.“


Und dann macht der GfK-Monatsbericht den Zusammenhang deutlich: Verschärft wird der Absturz des Konsumklimas zudem durch eine im April sprunghaft angestiegene Sparneigung. Die allgemeine Verunsicherung hat nämlich dazu geführt, dass die Sparneigung um mehr als 51 Punkte angestiegen ist und das Konsumklima erheblich belastet. Wird denn wenigstens verstärkt sinnvoll gespart? Leider nein.


Dazu passt eine ebenfalls heute Vormittag veröffentlichte kurze Analyse der Deutsche-Bank-Strategen: Ein anhaltend niedriges Zinsniveau verstärkt den Anreiz, Vermögen von Sparbüchern (Bankeinlagen) und ähnlich risikoarmen Anlagen in andere Instrumente umzuschichten. Daten aus dem Euroraum zeigen allerdings, dass private Haushalte ihre Aktien- und Investmentfondsanlagen im vergangenen Jahrzehnt eher zögerlich ausgebaut haben. Ihr Anteil am Geldvermögen hat sich im Vergleich zu 2010 lediglich um 1,8 Prozentpunkte erhöht. Langfristig lassen sich Anleger dadurch interessante Renditechancen entgehen, obwohl manche Jahre – wie das laufende – für Wertpapieranlagen schwierig sein können. Nur rund ein Viertel des privaten Geldvermögens im Euroraum entfällt auf Aktien und Investmentfonds; immer noch rund ein Drittel auf Einlagen bei Banken, für die inzwischen praktisch keine Zinsen mehr gezahlt werden. Berücksichtigt man das nichtfinanzielle Vermögen (unter anderem Immobilien) liegt der Aktien- und Investmentfondsanteil mit rund 12 Prozent sogar noch deutlich niedriger.


Den Cash-Anteil in der aktuellen Krise (erst einmal) hochzufahren, ist natürlich verständlich. Dass deshalb die Börse für die meisten Bundesbürger momentan keine besondere Bedeutung hat, lässt sich ebenfalls gut nachvollziehen. Aber das darf kein Dauerzustand werden. Daher bleibe ich dabei: Keine großen Beträge Bargeld längerfristig horten, sondern lieber in Aktien und Gold investieren – und dabei das Konsumieren nicht vernachlässigen!

Die Börse versucht die Zukunft vorwegzunehmen, das Morgen schon heute einzupreisen. Die Qualität der Kursentwicklung ist dadurch kurzfristiger geworden, denn das Eskomptieren von Konjunktur- und Unternehmensentwicklungen fällt im Zuge von Digitalisierung und Globalisierung noch schwerer als früher. Folge: Die Volatilität nimmt zu, das gilt sogar für die Kursschwankungen im Verlauf eines Handelstags. Sind dazu noch (gravierende) externe Krisen zu verkraften, sollte der Anleger kurzfristigen Zuckungen des Aktienmarkts nicht trauen. Das gilt gerade jetzt. Nach meinen Beobachtungen neigt die Börse aktuell zu voreiliger Zuversicht und folgt einzelnen positiven Signalen – das Corona-Gesamtbild ist aber auch nach den Ostertagen noch stark uneinheitlich und rechtfertigt keine Euphorie.


Bezeichnend, wie heute Vormittag eine Meldung aus China „gefeiert“ wurde, obwohl sie gerade mal einen Monat betrifft: Zwar ist der Handel im März im Zuge der Coronavirus-Pandemie deutlich geschrumpft, allerdings weniger als von Experten erwartet. Die chinesischen Exporte gingen im vergangenen Monat um 6,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurück, wie die heute veröffentlichte Behördendaten zeigten. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt mit einem Minus von 14 Prozent gerechnet. Selbst wenn man die Verständigung der führenden Rohölproduzenten dazu nimmt sowie die weiteren Ankündigungen von Staaten und Notenbanken, der Wirtschaft mit enormen Summen zu helfen, als Pluspunkte betrachtet – die Dauer der Covid-19-Krise und damit ihre Folgen sind noch nicht absehbar


Von wirklicher Euphorie der Börsianer kann freilich keine Rede sein. Selbst die Bullen sind noch verhalten optimistisch. Und an warnenden Stimmen aus dem Kreis der Volkswirte und Analysten ist kein Mangel. Kein Wunder, denn das Coronavirus stellt die große Finanzkrise im Jahr 2008 in den Schatten. Wachstumsprognosen werden sozusagen am laufenden Band nach unten korrigiert. Und internationale Strategen geben zu: „Sollten die strengen Regelungen weltweit länger aufrechterhalten werden, könnte das Wachstum noch weitaus geringer ausfallen als bislang angenommen.“


Dass die Pandemie und ihre Folgen nach Ländern zunehmend unterschiedlich gesehen werden müssen, bestätigt mir eine heute vorgelegte Analyse von Darren Williams, Chefvolkswirt beim Asset Manager AllianceBernstein (AB). Eine mögliche Erholung nach Aufhebung der Einschränkungen sieht Williams vor allem in den USA gefährdet – trotz rascher und umfangreicher Regierungsmaßnahmen: „Auch wenn die US-Wirtschaft die frühere Trendwachstumsrate von etwa 2 Prozent pro Jahr wieder erreichen könnte, glauben wir dennoch, dass es zu einem dauerhaften Aktivitätsverlust kommen wird.“ Die Krise werde Wunden in der Wirtschaft hinterlassen, die wahrscheinlich nicht vollständig heilen werden. Die Situation in China beurteilt der Ökonom dagegen durchaus optimistisch. Die Daten für März seien ermutigender, da 90 Prozent der Großunternehmen ihre Geschäftstätigkeit wieder aufnähmen.


Meine Empfehlung an vorsichtige Privatanleger: Noch immer ist Geduld angesagt. Warten Sie mit neuen Aktivitäten noch ein paar Tage ab und beobachten Sie neben den Wirtschaftsprognosen (z.B. miserabler Ausblick des IWF) die kommenden Meldungen von der Berichtssaison fürs erste Quartal – obwohl die nur begrenzte Aussagekraft besitzen können. Achten Sie für die Aktienauswahl auch auf die Unternehmensaussagen zur Ertragsentwicklung und zur Dividende!

Aprilwetter spaltet das Land. Was die Wetterfrösche melden, eignet sich oft zum Vergleich mit dem Börsenklima. So auch diese Headline von heute. Nur gelten die unterschiedlichen Vorhersagen für Kapitalanleger international. Ein bedeutender Fondsmanager skizziert die Aussichten ebenfalls allegorisch: Die Weltwirtschaft erreicht nun das Zentrum des Sturms, und Investoren erwartet eine sehr schwierige Zeit, bevor sich im zweiten Halbjahr die Lage verbessert, sobald die chinesische Wirtschaft sich erholt. Das kann man nachvollziehen – aber wird es auch so kommen? Die Vordenker der Anleger werden immer mutiger und üben sich in zunehmend konkreter werdenden Prognosen. Viele Meinungen bedeuten aber nicht Wissen, eher Nicht-Wissen. Sie helfen allenfalls Ihnen, geschätzte Anleger, bei Ihrer persönlichen Meinungsbildung, wie es mit der Viruspandemie und ihren wirtschaftlichen Folgen weitergehen könnte.


Das lässt sich auch am heute vorgelegten „Citi-Investmentbarometer“ ablesen, das im dreimonatigen Turnus private und professionelle Börsianer zu ihren Markteinschätzungen befragt. Bei dieser ersten Erhebung 2020 sind viele interessante Zahlen herausgekommen, darunter eine ungewöhnlich unterschiedliche (fast dreigeteilte!) Einschätzung der Aktienmärkte: So erwarten knapp 33 Prozent, dass sich die Corona-Krise in den nächsten drei Monaten weiterhin auf die Kurse auswirken wird und diese daher sinken. Der Anteil der Pessimisten hat sich damit seit Ende letzten Jahres mehr als verdoppelt und markiert ein Allzeithoch seit der ersten Erhebung des Barometers im Jahre 2011. Gleichzeitig erwarten rund 31 Prozent der Befragten, dass es mit Aktien auf Sicht von drei Monaten aufwärts geht. Die knappe Mehrheit von 36 % tendiert allerdings kurzfristig zu seitwärts laufenden Kursen. Mittelfristig, also über zwölf Monate (ein Lob für die seltene Präzisierung, was unter „mittelfristig“ verstanden wird), sind die Befragten zunehmend der Meinung, dass sich Aktien von der momentanen Situation erholen werden. Denn die Bullen dominieren mit 44 % deutlich. Alles klar?


Solche Umfragen zu Wirtschaft und Börse können nur eine Momentaufnahme sein und sollen Ihnen, liebe Leser, die individuellen Anlageentscheidungen auch nicht abnehmen. Mir selbst fehlt (immer noch) der Mut zu einer klaren Prognose, denn es stehen zu viele schwerwiegende Fragezeichen mit zeitlicher Relevanz im Raum. Auf keinen Fall jetzt noch panikartig aussteigen oder gierig aufspringen! Wer aber einen wirklich langfristigen Anlagehorizont mitbringt (ab fünf Jahren), wird mit Aktien nichts falsch machen – egal, ob er sie heute oder morgen kauft.

Alles Gute und tun Sie alles, um gesund zu bleiben!

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