Aktien sollten für alle da sein!

Deutschland braucht mehr Aktionäre. Das wird allenfalls vom politisch linken Rand bestritten. Die Vermögensbildung der Deutschen ist unbefriedigend. Das ist die vorherrschende Meinung. Trotz einer anhaltenden Nahe-Null-Zins-Ära sparen die Sparer falsch und schaden sich selbst. Das wird seit Jahren beklagt, ohne dass sich etwas ändern würde. Wird von den Aktienförderern (zu denen ich mich seit Jahrzehnten zähle) zu oft nur mit der Rendite argumentiert?


Seit Ende 2008 weist der Dax eine jährliche Wertsteigerung von rund 8,5 Prozent auf! Gleichzeitig verharren die Zinsen für Spareinlagen auf historischen Tiefständen. Wer also vor 10 Jahren 10.000 Euro in Aktien angelegt hätte, könnte sich heute über rund 22.600 Euro auf dem Konto freuen. Das Sparbuch hätte bei einer unterstellten Durchschnittsverzinsung von 2 Prozent im selben Zeitraum nur zu einem Vermögen von 12.200 Euro geführt. Unter Berücksichtigung von Inflation ergibt sich für viele Sparer sogar ein Verlust. Aber hat die beschriebene Entwicklung etwas an der Neigung der Deutschen zur Aktienanlage geändert? Studienergebnisse machen klar: Das Interesse an der Aktie bleibt bedauernswert gering.


Ob sich die Politik in Zukunft entschlossener für die Aktienanlage einsetzen wird, ist nicht ausgemacht. Deshalb teile ich die Forderung unserer institutionellen Aktienförderer. dass sich alle gesellschaftlich relevanten Kräfte einbringen sollten – also Unternehmen, Börsen, Banken und Sparkassen, aber auch Verbraucherschutzverbände und Gewerkschaften sowie die Medien. Sie können durch eigene Initiativen ein zutreffendes Bild von den Chancen und Risiken der Aktienanlage vermitteln und Impulse pro Aktie auslösen. Ich gehe einen Schritt weiter: Noch wirkungsvoller wären konzertierte Aktionen der genannten Gruppen.


Arbeitnehmer = Unternehmer – das klingt provozierend, wäre aber ein neuer Anstoß, der über die altbekannten Initiativen zur Mitarbeiteraktie weit hinausgehen würde. Aktionäre als Miteigentümer am Produktivkapital unserer Wirtschaft – ein solches Bewusstsein umfasst mehr als Kurse und Dividenden, nämlich eine kritische Mitverantwortung für den Unternehmenserfolg (nicht nur durch HV-Präsenz). Damit könnte auch eine Reform der Altersvorsorge verbunden werden.


Dazu ganz aktuell: Friedrich Merz begrüßt grundsätzlich die Debatte über die Vermögensverteilung, die Juso-Chef Kevin Kühnert angestoßen hat. „Ich teile seine Thesen absolut nicht. Aber die Debatte müssen wir führen, die können wir nicht in Bausch und Bogen abtun mit ,Juso-Vorsitzender‘“, sagte der frühere Anwärter auf den CDU-Parteivorsitz in einem Podcast, wo er sich für mehr Vermögensbildung in Arbeitnehmerhand aussprach. Leider gibt es zu wenig Friedrich Merz in Deutschland.

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