Anlegerstimmung: Europa-Aktien werden wieder stärker beachtet

Jüngste Erhebungen im In- und Ausland bestätigen mehr denn je in diesem Jahr eine zunehmende Risikobereitschaft der Anleger – das stützt die Aktienmärkte, während Gold seinen Glanz erst einmal verloren hat. Die zugrundeliegenden regelmäßigen Befragungen institutioneller und privater Investoren liefern ein gutes Spiegelbild der Stimmungslage, haben aber nicht zwangsläufig eine lange Haltbarkeit. Denn Digitalisierung und Globalisierung führen zu häufigeren, kurzfristigen Tendenzschwankungen. Das schnelle Rein und Raus bei Aktien ist längst Alltag geworden. Eine besondere Komponente im Zusammenspiel der börsenrelevanten Einflüsse ist die wachsende Bedeutung von Geo- und Wirtschaftspolitik. Die wiederum ist unberechenbar und erschwert den Ausblick auf die Märkte. Im Ergebnis sollten Sie, geschätzte Anleger, Sentiment-Umfrageergebnisse zwar für Ihre kurz- bis mittelfristige Taktik berücksichtigen – wohl wissend, dass sich die Stimmungslage schon innerhalb einer Woche spürbar verändern kann. Die betont langfristige Strategie braucht dagegen nicht in Frage gestellt zu werden.


Die Verhaltensforscher der Börse Frankfurt haben in ihrem jüngsten Wochenbericht festgestellt, dass die befragten mittelfristig orientierten Institutionellen so optimistisch eingestellt sind wie im ganzen Jahr noch nicht. Der entsprechende Index ist bereits zum vierten Mal in Folge gestiegen. Die Angst, womöglich einen positiven Jahresausklang beim Dax zu verpassen, ist offenbar größer als die vor einem deutlichen Rückschlag.


Auch die aktuelle Erhebung des international stark beachteten Citi-Investmentbarometers zeigt eine leichte Verbesserung bei der Stimmung für Aktien. Dazu werden im dreimonatigen Turnus private und professionelle Marktteilnehmer zu ihren Markteinschätzungen hinsichtlich verschiedener Anlageklassen und Investmentprodukte befragt. Interessant aus unserer Sicht: Der Anteil der Anleger, die bei europäischen Titeln auf Sicht von drei Monaten von fallenden Kursen ausgehen, hat sich nahezu halbiert (von 30 % auf nur noch 16 %). Steigende Kurse erwarten nunmehr gut 27 % der Umfrageteilnehmer. Das ist die höchste in diesem Jahr gemessene „Bullenquote“ in dieser Kategorie. Gleichwohl kann von Aktieneuphorie aber noch keine Rede sein. Denn die Mehrheit geht sowohl kurzfristig (57 %) als auch auf Sicht von zwölf Monaten (51 %) von einem Seitwärtstrend aus. Ähnliches gilt für US-amerikanische Aktien. Auch hier hat die Zahl der Bären deutlich abgenommen. Während Aktien also wieder etwas mehr Aufwind haben als noch vor drei Monaten, ist bei Gold spürbar die Luft raus. Verzeichnete das gelbe Metall im dritten Quartal sowohl auf kurze als auch auf mittlere Sicht noch rekordverdächtige Zustimmungswerte von jeweils etwas mehr als 60 %, liegt der Anteil der „Gold-Bullen“ nunmehr nur noch bei 40 % (für drei Monate) beziehungsweise 42 % (für 12 Monate). So gering war die Quote der Optimisten noch nie in diesem Jahr.


Von diesen Ergebnissen leite ich ab, liebe Leser, dass es wieder Sinn macht, deutsche und europäische Aktien in einem international gemischten Depot besonders stark zu gewichten. Dagegen braucht man dem nachlassenden Interesse für Gold nicht zu folgen, denn in meinen Augen ist physisches Edelmetall als langfristiges Versicherungselement keine mit Aktien kurzfristig vergleichbare Anlageklasse. Das Ja zu Aktien würde ich nicht als Nein zum Gold betrachten.

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