Bundesbürger sehen 2020 zu schwarz

Prost Neujahr, geschätzte Anleger! Der heutige Börsenauftakt war schon vielversprechend – ganz ehrlich: Ich hatte vorher wegen der geopolitischen Sorgen eher einen schlechten Rutsch erwartet: gefährliche Zuspitzung Irak/Iran vs. USA, Warnsignale aus Nordkorea. Außerdem sind die jüngsten Konjunkturindikatoren aus Europas Industrie (anders als der Dienstleistungssektor) noch nicht ermutigend. Aber der Dax lässt sich einfach nicht irritieren und zeigt weiter Muskeln.

Die erste Repräsentativumfrage des neuen Jahres liegt auch vor. Und sie bestätigt wieder einmal, warum die Deutschen als Bedenkenträger gelten und lieber sparen als investieren – da kann der Dax machen was er will. Laut Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY sehen die Verbraucher die Wirtschaftslage so kritisch wie lange nicht. So glauben nur noch 12 Prozent, dass sich unsere Wirtschaftslage in diesem Jahr verbessern wird Das ist der niedrigste Wert seit 2011! Gleichzeitig gehen 35 Prozent von einer Verschlechterung aus – höher war der Anteil der Pessimisten zuletzt 2012. Typisch die erklärte Einstellung: Man will die Gürtel enger schnallen. Insbesondere beim Kauf von Unterhaltungselektronik wie Smartphones oder Laptops, bei größeren Einzelanschaffungen wie Autos oder Küchen sowie bei Ausgaben für Haus- und Wohnungsrenovierungen wollen die Verbraucher 2020 kürzertreten. Lediglich für Lebensmittel wollen sie insgesamt mehr Geld ausgeben.


Nein, das passt nicht in die wirtschaftliche Landschaft! Der Konsum war bisher eine starke Stütze der Konjunktur, und zwar auf beiden Seiten des Atlantiks. Das muss auch so bleiben. Konsumschwäche können Industrie und Handel wirklich nicht gebrauchen. Sollte sie dennoch in den nächsten Monaten offensichtlich werden, dürfte auch dem Dax die Luft ausgehen. Ich kann natürlich die Sorgen vieler Menschen um ihren Arbeitsplatz verstehen. Trotzdem ist schon eine verbreitet pessimistische Erwartungshaltung schädlich, denn die Stimmung ist ein wichtiges Element des Wirtschaftsklimas. Deshalb sei nochmals an den Appell unseres Bundespräsidenten in seiner Weihnachtsansprache erinnert: „Mut und Zuversicht – das wünsche ich Ihnen und uns allen für das kommende Jahr.“

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