Das wirkliche Risiko für die Märkte

Mir ist jetztz ein besonders bemerkenswerter Aufsatz auf den Bildschirm gekommen, aus dem ich wesentliche Auszüge übernehme. Endlich, so meine spontane Reaktion, geht ein prominenter Investmentstratege einmal über die üblichen fundamentalwirtschaftlichen Analysen hinaus und stellt die übergeordneten politischen Einflüsse auf das Börsengeschehen in den Vordergrund. Als Folge von Digitalisierung und Globalisierung durchdringen geo- und wirtschaftspolitische Einflüsse zunehmend auch die Finanzmärkte. Ich warne deshalb immer wieder vor den unberechenbaren Auswirkungen für die Anleger und lehne die beliebte, aber unsinnige und sprachlich schlechte Metapher "Politische Börsen haben kurze Beine" schlichtweg ab.

Auch wenn sich einige Beobachter sorgen, dass der aktuelle weltweite Konjunkturzyklus auf sein Ende zusteuern könnte, sieht Michael Hasenstab, ein namhafter Investmentstratege des Fondsgiganten Franklin Templeton, die momentan zu beobachtende Verlangsamung des Wachstums als zyklische konjunkturelle Abschwächung – und nicht als das Ende des Zyklus. Was ihm größere Sorgen bereitet, ist die politische Anfälligkeit, die er in der heutigen Weltwirtschaft erkennt. Ihm zufolge stellt die zunehmende Fragmentierung der Welt aufgrund populistischer politischer Tendenzen ein ernsthaftes Problem dar. Hier die Auszüge aus seiner Betrachtung:


Eine Welt voller Extreme. Ich werde häufig gefragt, wo ich die größten Risiken innerhalb der Weltwirtschaft sehe. Heute würde ich sagen, dass dies die extreme politische Landschaft ist, die in vielen Teilen der Welt vorherrscht. Zunehmende Frustration aufgrund von Faktoren wie etwa Immigration und Einkommensungleichheit hat dem Populismus Auftrieb verliehen – sowohl am linken als auch am recrechten Ende des Spektrums. Dies kann eine äußerst gefährliche und fiskalpolitisch unhaltbare Wirtschaftspolitik nach sich ziehen. Diese populistische Politik verspricht kurzfristig sehr viel, ist auf lange Sicht jedoch nicht tragbar. Stattdessen kann sie Regierungen eine enorme Schuldenlast aufbürden.


Wir haben eine solche Dynamik immer wieder beobachten können. In den USA haben wir Handelsspannungen mit China und die Unfähigkeit des Kongresses, einen Haushalt zu verabschieden. Die Streitigkeiten im Vereinigten Königreich im Zusammenhang mit dem Brexit und dem Umgang mit diesem Thema liefern ein weiteres Beispiel. Und dann ist da noch die zunehmende Beliebtheit von Parteien, die gegen die Europäische Union und das Establishment ankämpfen, sei es in Deutschland, Italien oder Belgien, oder auch die Ablehnung der von Präsident Emmanuel Macron vorgestellte Vision eines integrierten Europas durch die Franzosen.


Was mir Sorgen bereitet, ist die Tatsache, dass es in einer zunehmend fragmentierten Welt, in der sich zahlreiche Länder nach innen orientieren, schwierig sein wird, einen potenziellen weltweiten Schock in den Griff zu bekommen. Es wird immer schwieriger werden, eine koordinierte politische Reaktion zu erzielen, wie sie beispielsweise unter den weltweiten Zentralbanken stattgefunden hat, um die globale Finanzkrise der Jahre 2008 und 2009 hinter uns zu lassen.


Soweit Michael Hasenstab. Ich stimme zu und möchte mit anderen Worten ergänzen: Marktwirtschaft und Demokratie sind in Gefahr!

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