Die Deutschen und ihre "Goldkultur"

Die Politik wird für die Finanzmärkte immer unberechenbarer. Schon die wechselhafte und mitunter widersprüchliche Nachrichtenlage erschwert die Einschätzung wechselhafte und mitunter widersprüchliche Nachrichtenlage erschwert die Einschätzung der Folgen geo- und wirtschaftspolitischer Entwicklungen. Wer als Anleger seine Kauf- und Verkaufsentscheidungen allein danach ausrichtet, sollte die mit den politischen Gefahren verbundenen Risiken nicht unterschätzen. Aktuell ist möglich (möglich!), dass die bedrohlich aussehende Anspannung am Persischen die Märkte stärker bewegen wird – Aktien runter, Gold rauf.

Verständlich, dass Gold- und Münzenhändler ihre Kunden seit Wochen zu stärkeren Engagements anfeuern. Gründe hat man zur Genüge. Und die nach jahrelanger Flaute feste Preisentwicklung selbst gilt als Attraktion. Für mich ist das jedoch kein Argument, denn Gold ist längst zu einem internationalen Spekulationsobjekt geworden. Dabei sollte man edles Metall doch eher als langfristige Sicherheitskomponente in einem gut gemischten Portfolio betrachten. So empfehle ich privaten Anlegern, in Gold nicht kurzfristig-spekulativ wegen politischer Unsicherheit zu investieren, sondern wegen seines besonderen Charakters kontinuierlich und dauerhaft. Machen Sie es wie die Regierungen und Zentralbanken, geschätzte Anleger!

Eine Umfrage zu den Zentralbank-Goldreserven zeigt, dass die Goldnachfrage der Währungshüter weiterhin robust ist. Vor allem die Notenbanken der Schwellen- und Entwicklungsländer (EMDE) gaben an, dass sie beabsichtigen, ihre Goldreserven in den nächsten 12 Monaten zu erhöhen. Dies ist vergleichbar mit den Käufen des letzten Jahres, als 12% der 155 EMDE-Zentralbanken der Welt Gold kauften. Dies führte zu einer Nachfrage von 651 Tonnen Zentralbankgold, dem höchsten Stand seit Bestehen des gegenwärtigen internationalen Währungssystems.


Aus heimischer Sicht besonders interessant sind die Ergebnisse der im Frühjahr veröffentlichten neuen Gold-Studie (Steinbeis-Hochschule Berlin). Die zeigt eine anhaltend hohe Bereitschaft der Deutschen, in Gold zu investieren – kein Wunder angesichts unverändert hoher Zufriedenheitswerte mit dem gelben Metall. Der Goldbestand im Besitz deutscher Privatpersonen hat inzwischen mit mehr als 8.900 Tonnen einen neuen Höchststand erreicht und beträgt damit rund 2,5-mal so viel wie der Bestand der Bundesbank, der nahezu gleichgeblieben ist. 38 Prozent der Deutschen besitzen Gold in Barren- oder Münzenform als physische Wertanlage.


Während eine „Aktienkultur“ hierzulande fehlt, was immer wieder beklagt wird, haben die Deutschen also eine „Goldkultur“ mit hoher Zufriedenheit – auch wenn sie dafür keine Dividenden oder Zinsen kassieren. Weiter so! Sinnvoll sind auch hier – schon wegen des Durchschnittskosten-Effekts – regelmäßige physische Zukäufe von kleinen Münzen und Barren, wie ein Sparplan.

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