Internationale Investoren geben Europa noch eine Chance

Es kam wie erwartet – und von der Börse längst eingepreist. Die Fed hat geliefert, obwohl es dem US-Präsi wieder zu wenig war. Was macht jetzt die Politik, um eine Rezession zu verhindern? Die Frage geht auf beide Seiten des Atlantiks, obwohl die Ausgangslage nicht identisch ist. Mahnungen und Warnungen kommen auch von der OECD, die heute ihren Interim Economic Outlook vorgelegt hat, in dem es heißt: Die Aussichten für die Wirtschaft verschlechtern sich sowohl in Industrie- als auch in Schwellenländern. Handelskonflikte und politische Unsicherheiten belasten die bereits geringen Wachstumsaussichten weiter, schwächen das öffentliche Vertrauen und hemmen Investitionen. Wegen seiner Exportabhängigkeit gilt das besonders für Deutschland. Und abschließend als Appell: Die Regierungen müssen die Gelegenheit nutzen, die die heutigen niedrigen Zinssätze bieten, um Investitionen in die Infrastruktur zu erneuern und die Wirtschaft der Zukunft zu fördern.


Aus Börsensicht kann man dies nur unterstützen. Und die bekanntlich zuletzt sterbende Hoffnung der Anleger ruht ja nicht nur auf dem Rückhalt durch die Notenbanken, sondern gilt auch einer baldigen Verbesserung der politischen Rahmenbedingungen. Das bezieht sich in erster Linie auf die Geo- und Handelspolitik, aber auch auf nachhaltige nationale Maßnahmen. Europa ist angesichts seiner Zerfallserscheinungen schon seit längerem kein Favorit internationaler Großanleger mehr, hat dennoch die Chance auf wieder zunehmende Anerkennung. Die Börse sendet dafür auch Signale – der Dax beispielsweise präsentiert sich seit Wochen in guter Kondition.


Wer hat den jüngsten Kursanstieg ausgelöst haben mag, dafür sendet die neue Fondsmanager-Umfrage von BofA Merrill Lynch ein Signal. Denn neben der beliebtesten Aktienanlage-Region USA gab es auch eine Verlagerung der Gewichtung in Richtung Eurozone: Netto 3 Prozent der befragten Fondsmanager sind dort nun übergewichtet nach -3 Prozent im Vormonat. Wie von den Sentiment-Analysten an der Börse Frankfurt schon vorher vermutet, haben leichte internationale Kapitalzuflüsse in Richtung Euroraum stattgefunden.


Anleger werden also weiterhin nicht nur auf die Notenbanken setzen, da bin ich mir sicher. Und ZEW-Professor Friedrich Heinemann sieht in seiner Stellungnahme zum Fed-Beschluss eine transatlantische Gemeinsamkeit: Wie in Europa gilt auch in den USA, dass die Zentralbank den Schaden einer verantwortungslosen Wirtschaftspolitik nicht kompensieren kann. Die US-Ökonomie wird nicht durch weitere Zinssenkungen wieder auf die Beine kommen, sondern nur durch mehr Vernunft im Weißen Haus.

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