Investors Stampede – wenn Anleger vom Herdentrieb erfasst werden

Dax unter 12.000 nutzen und jetzt deutsche Aktien kaufen? Nein, ich bin kein Freund automatisch-antizyklischen Verhaltens. Die Sache mit dem gegen den Strom schwimmen ist durchaus nicht trivial, wie die Erfahrung lehrt. Vereinfachtes Beispiel: Wenn eine Aktie von 100 auf 80 fällt – ist sie dann schon unten (und für Kaufinteressenten attraktiv)? Man sollte genauer prüfen (besser: zu prüfen versuchen), was die Märkte bewegt hat und wie es einzuordnen ist. Gegebenenfalls können aus den 80 schnell auch 70 und 60 werden, vielleicht noch weniger.


Die plötzlich steile Abwärtsbewegung hat natürlich Gründe und Anlässe, die in jedem Börsenbericht wiedergekaut werden. Man kennt also die Ursachen. Aber deren Überwindung – das Wann und das Wie – bleibt spekulativ. Keiner kann diese für die weitere Kursentwicklung entscheidenden Fragen beantworten. Deswegen gilt die Aktie als „Risikopapier“ – ein Begriff, der mir nun gar nicht gefällt, weil die Beteiligung am Produktivkapital der Wirtschaft mit jährlichen Durchschnittsrenditen von etwa 8 bis 9 Prozent (einschließlich Dividenden) zunächst als „Chancenpapier“ verstanden werden sollte.

Nicht unwichtig für die Einschätzung von Tendenzen sind zudem Elemente der Eigendynamik eines Markts – Beispiel die Beobachtung „Die Hausse nährt die Hausse“. Kein Wunder. Denn geht es mit den Kursen länger anhaltend aufwärts, werden skeptisch-abwartende Anleger zunehmend nervös und springen auf den fahrenden Zug auf, weil sie nicht zu viel verpassen wollen. Und Investmentprofis geraten unter „Performancezwang“. Das hat naturgemäß mit Herdentrieb zu tun.


Ich benutze gern (auch für den zurückliegenden Kursrutsch) das Bild einer „Stampede“. Stampedes waren im Westen der USA zur Zeit der großen Rinderherden ein gefürchtetes Phänomen und sind daher auch ein wiederkehrendes Handlungselement in Wildwestromanen und -filmen: Das plötzliche Ausbrechen einer ruhenden Tierherde (erst ein paar Rinder, dann rasch alle), insbesondere im Dunkeln, ausgelöst durch Schüsse oder Raubtiere. Dann ist es höchstgefährlich für die Cowboys, die Flucht der Tiere aufhalten zu wollen, indem sie winkend und schreiend in die aufgeschreckte Herde hineinreiten – die bleibt nach einiger Zeit ohnedies wieder stehen.


In einer intensiven Diskussion vor vielen Jahren rief mir ein Anleger selbstbewusst einen anderen bildhaften Vergleich zu: „Wer erfolgreich sein will, muss gegen den Strom schwimmen, nicht mit dem Strom!“ Ich antwortete: „Stimmt nicht immer. Lachse schwimmen stromaufwärts und krepieren dann!“ Wenn Sie langfristige Aktien- oder Fondssparprogramme für Ihre Altersvorsorge im Auge haben, geschätzte Anleger, sollten Sie gleich damit anfangen – egal ob der Dax unter oder über 12.000 steht.

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