"Kein Anlass zur Besorgnis"


Warum berichten Medien fast immer über Negatives? Ist die Welt wirklich so schlecht? Entscheiden Sie selbst, liebe Leser. Es ist keine neue Beobachtung, dass Bad News in der Öffentlichkeit stärkere Beachtung finden als Erfreuliches. Momentan kommt vieles mit negativem Vorzeichen zusammen, nicht nur bei uns: Coronavirus-Pandemie, Rezessionsängste, Populismus, Hochspannung und kriegerische Auseinandersetzungen in Nahost, Flüchtlingskatastrophe, das politische Europa in einem maroden Zustand, rechtsradikale Tendenzen und eine schwache Regierung bei uns. Unsere Demokratie ist in Gefahr.


Geradezu inflationär wird deshalb überall die Losung „Keine Panik!“ ausgegeben, vor allem von Politikern. Das Ziel ist ehrenwert, wird aber meist verfehlt. Wissenschaftler behaupten sogar, dass bei vielen Menschen genau das Gegenteil erreicht wird: Wenn von politisch Verantwortlichen „Keine Panik“ ausgegeben wird, glauben die Bürger erst recht, dass es durchaus Grund zu Panik gibt. Außerdem signalisiert diese Floskel häufig Hilflosigkeit und eigene Verunsicherung. Als bessere Alternative gilt sachliche und umfassende Information, damit auch in der Krise Ruhe und Gelassenheit bewahrt wird.


Das ist freilich leichter gesagt als getan. Börsianer wissen das nur zu gut. Denn gerade die Anleger und Akteure der Finanzmärkte gehören zwar berufstypisch zu den Optimisten, die Good News bevorzugen. Doch stehen sie tagtäglich vor der Herausforderung, wichtige – und richtige! – Informationen von Meinungen und Prognosen zu unterscheiden. Außerdem müssen laufend (und möglichst schnell) neue Entwicklungen als positiv oder negativ eingeordnet werden, oft auch mit einer zeitlichen Komponente (längerfristiges Beispiel: Die Aussichten von Donald Trump für eine Wiederwahl).


Humoristen haben die Probleme mit guten und schlechten, richtigen und falschen Informationen schon vor langer Zeit aufgespießt. So sagte Rudi Carrell einmal: „Nachrichtensprecher fangen stets mit 'Guten Abend' an und brauchen dann 15 Minuten, um zu erklären, dass es kein guter Abend ist.“ Mein viele Jahre zurückliegender Versuch, ein Medium zu entwickeln, dass ausschließlich (!) gute Nachrichten sammelt und verbreitet, ist mangels Unterstützung durch geeignete Partner leider gescheitert (ich finde diese Idee immer noch reizvoll!). Folgendes ist zwar nur eine Meinung und keine gesicherte, dennoch richtige Information, wenn ich langfristigen Aktienanlegern mit voller Überzeugung zurufe, was Ephraim Kishon in einer seiner genialen Familiensatiren („Karriere beim Fernsehen“) thematisiert hat: „Kein Anlass zur Besorgnis.“ Alles klar?

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